Mensch inklusive der Lebenshilfe Schweinfurt

Unterfränkische Pioniere mit Handicap

Halten einen deutschlandweit anerkannten Qualifizierungsnachweis des „Netzwerks Zertifikatslehrgänge“ in Händen: Alexandra Piotrowski, Lorena Heinlein, Manuela Karch, Svenja Kaufmann (vordere Reihe, v. l.) sowie Theresa Dietz¸ Marie-Therese Köberl, Brandon Crescente und Julia Friedrich (zweite Reihe von vorne, v. l.). Die Gratulanten (v. l.): Emil Müller (stv. Landrat Bad Kissingen), Isabel Schauz (IHK Würzburg-Schweinfurt), Oskar Ebert (stv. Landrat Haßberge), Dr. Horst Golüke (Vorsitzender Lebenshilfe Schweinfurt), Eva Hartmann (Leiterin „Mensch inklusive“), Thomas Vizl (stv. Landrat Schweinfurt), Norbert Geier (stv. Bürgermeister Haßfurt), Martin Groove (Geschäftsführer Lebenshilfe Schweinfurt) und Steffen Vogel (Landtagsabgeordneter).

„Das ‚Netzwerk Zertifikatslehrgänge‘ hat den Beweis erbracht, dass das Ausbildungssystem auch in Deutschland für Menschen mit Behinderung durchlässig ist“: Dr. Horst Golüke, der Vorsitzende der Lebenshilfe Schweinfurt, gratuliert in seinen Grußworten in der Haßfurter Stadthalle den ersten neuen unterfränkischen Absolventen des „Netzwerks Zertifikatslehrgänge“.

„Netzwerk Zertifikatslehrgänge“: Die ersten neun Absolventen Unterfrankens erhalten ihr Abschlusszertifikat

 

Am Freitag hat „Mensch inklusive“ der Lebenshilfe Schweinfurt zu einer besonderen Abschlussfeier in die Haßfurter Stadthalle eingeladen. Dort erhielten die ersten neun Absolventen der vom „Netzwerk Zertifikatslehrgänge“ entwickelten, beruflichen Zusatzqualifizierungen in Unterfranken ihre Zeugnisse. Das Besondere daran: Bei den Absolventen handelte es sich um Menschen mit Behinderung. Mit den Abschlusszeugnissen halten sie erstmals einen Qualifizierungsnachweis für diese Personengruppe in Händen, der bundesweit anerkannt ist.

 

Entsprechend lang war die Liste der Gratulanten: Oskar Ebert, der stellvertretende Landrat des Landkreises Haßberge, beglückwünschte die Absolventen zu ihrem Einsatz. „Sie haben Ihr Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt“, sagte er. Eva Hartmann, die Leiterin von „Mensch inklusive“ verwies auf die 360 Praxis- und 120-Unterrichtsstunden, die die Absolventen bis zu ihrem Abschluss bewältigen mussten. „Nicht nur deshalb können Sie sehr stolz darauf sein, das geschafft zu haben“, betonte sie. Isabel Schauz, Referentin für Fachkräftesicherung bei der IHK Würzburg-Schweinfurt, sagte: „Arbeit ist mehr, als Geld zu verdienen. Arbeit ist für Menschen Sinnstiftung und gibt Selbstvertrauen“. Das Abschluss-Zertifikat ermögliche es den Absolventen, ihre Möglichkeiten in diesem Bereich auszubauen. Und Dr. Horst Golüke, der Vorsitzende der Lebenshilfe Schweinfurt, erläuterte: „Das ‚Netzwerk Zertifikatslehrgänge‘ hat den Beweis erbracht, dass das Ausbildungssystem auch in Deutschland für Menschen mit Behinderung durchlässig ist.“

 

Das Netzwerk mit Sitz in Bamberg ist ein Zusammenschluss von 18 bayerischen Werkstätten für Menschen mit Behinderung, darunter auch „Mensch inklusive“ der Lebenshilfe Schweinfurt. „Mensch inklusive“ vermittelt Menschen mit Behinderung wohnortnahe Arbeitsplätze in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarkts. Hierfür gleichen Projekt-Mitarbeiter die Fähigkeiten und Wünsche eines Menschen mit Behinderung mit den Erwartungen eines potenziellen Arbeitgebers ab. Dann bringen die Mitarbeiter die passenden Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammen.

 

Das „Netzwerk Zertifikatslehrgänge“ bietet Zusatzqualifizierungen in den Bereichen „Kindertagesstätten“, „Baugewerbe“, „Fahrzeugreinigung“, „Gastgewerbe“, „Lager und Verpackung“, „Seniorenheim“ und „Pflegeeinrichtung“ an. Die Zertifikatslehrgänge sind in Zusammenarbeit unter anderem mit der Bamberger Caritas-Fachakademie für Sozialpädagogik, der HWK und IHK für Oberfranken oder den Bamberger Akademien für Gesundheits- und Pflegeberufe entstanden. Die Lehrgänge umfassen jeweils 120 Stunden Unterricht und 360 Praxisstunden im Betrieb, in dem der jeweilige Teilnehmer arbeitet. Nach einem Jahr schließen sie mit einer Prüfung ab. Bestehen die Teilnehmer diese, erhalten sie ein deutschlandweit anerkanntes Zertifikat der Einrichtung, die die Prüfung abnimmt. Das kann zum Beispiel eine örtliche IHK, HWK oder Fachschule sein.

 

Am Freitag erhielten im Bereich „Seniorenheim“ Manuela Karch, Brandon Crescente und Julia Friedrich ihre Abschlusszeugnisse. Im Bereich „Gastgewerbe“ waren es Lorena Heinlein und Alexandra Piotrowski. Marie-Therese Köberl, Svenja Kaufmann und Theresa Dietz freuten sich über ihre Abschlüsse im Bereich „Kindertagesstätten“.