Offene Hilfen der Lebenshilfe Schweinfurt

„Liebe kennt keine Grenzen und Chromosomen“

„Unsere Geschwister sind Geschwister wie andere auch“: Mit ihrer Matinee im Programmkino KuK haben die Gekis Schweinfurt (ab 3. v. l.), Selina Müller, Aylin Müller, Johanna Wittmann, Lara Schraut und Amelie Müller, eine klare Botschaft gesendet. Gegründet hat sich die Gruppe kürzlich über die Geschwisteranlaufstelle der Offenen Hilfen der Lebenshilfe Schweinfurt. Rita Weber (2. v. l.), die Leiterin der Offenen Hilfen, und Annika Dietz von der Geschwisteranlaufstelle beglückwünschten die Gekis zu ihrer gelungenen Matinee.

„Unsere Geschwister sind Geschwister wie andere auch“: Mit ihrer Matinee im Programmkino KuK haben die Gekis Schweinfurt (ab 3. v. l.), Selina Müller, Aylin Müller, Johanna Wittmann, Lara Schraut und Amelie Müller, eine klare Botschaft gesendet. Gegründet hat sich die Gruppe kürzlich über die Geschwisteranlaufstelle der Offenen Hilfen der Lebenshilfe Schweinfurt. Rita Weber (2. v. l.), die Leiterin der Offenen Hilfen, und Annika Dietz von der Geschwisteranlaufstelle beglückwünschten die Gekis zu ihrer gelungenen Matinee.

Gekis Schweinfurt erzählen vom Leben mit behinderten Geschwistern

 

„Wir wollen zeigen, wie schön das Leben ist, auch wenn nicht immer alles glatt läuft“, brachte es Selina Müller auf den Punkt. Am vergangenen Sonntag haben sie und ihre beiden Schwestern, Amelie und Aylin Müller, sowie Johanna Wittmann und Lara Schraut zu einer öffentlichen Matinee ins Schweinfurter Programmkino KuK eingeladen. „Mein Leben mit Dir: Weil Du es so besonders machst! – Kunst, Erfahrungen, Einblicke“: So lautete der Titel der Veranstaltung, die rund 30 Besuchern Eindrücke davon vermittelte, wie es ist, mit einem behinderten Bruder oder einer behinderten Schwester aufzuwachsen und zu leben.

 

Die fünf jungen Frauen im Alter von 19 bis 23 Jahren haben sich kürzlich über die Geschwisteranlaufstelle der Offenen Hilfen der Lebenshilfe Schweinfurt zu einer Gruppe zusammengefunden. Die nennt sich „Gekis (Geschwisterkinder) Schweinfurt“. Im Rahmen der von der Lebenshilfe Bayern für die letzte Juliwoche ausgerufenen Geschwisterwoche stellten die Gekis Schweinfurt im KUK unter anderem Fotos von sich und ihren Geschwistern mit Behinderung aus. Zu sehen gab es weiter selbst bemalte Stühle. Die Stühle symbolisierten den individuellen Platz jedes Menschen in der Gesellschaft.

 

In einem Fotovortrag erzählten die Gekis Schweinfurt von sich und ihren Geschwistern. Lara Schraut nannte Ali dabei ihren „Herzbruder, der seit zwei Jahren unser Leben bereichert“. Der Dreijährige wurde mit dem fetalen Alkoholsyndrom geboren und lebt als Pflegekind bei Schraut und ihrer Familie. „Seit Ali bei uns lebt, hat sich eigentlich nicht viel verändert“, berichtete Schraut, auch wenn sie seitdem hier und da mehr Verantwortung übernehme. Mühsam seien bisweilen die Reaktionen Außenstehender, auf die sie treffe. „Die Vorurteile und Kommentare nerven.“

 

„Das Leben mit einem behinderten Bruder schränkt mich in keiner Weise ein“, erzählte Johanna Wittmann. Ihr Bruder Paul, 18 Jahre alt, kam mit Trisomie 21 zur Welt. Er besucht eine Hauswirtschaftsschule, und das Leben mit ihm, so Wittmann, sei für sie „das Normalste auf der Welt“. Über ihren ebenfalls mit Trisomie 21 geborenen Bruder Marvin sagte Selina Müller: „Liebe kennt keine Grenzen und Chromosomen.“ Sie und ihre Schwestern seien stolz darauf, die Geschwister des Zehnjährigen zu sein, der bereits drei Herzoperationen hinter sich hat.

 

Eine klare Botschaft der Gekis Schweinfurt, wie Rita Weber befand. „Unsere Geschwister sind Geschwister wie andere auch, schaut auf ihre Stärken, nicht auf ihre Schwächen“, fasste die Leiterin der Offenen Hilfen der Lebenshilfe Schweinfurt diese zusammen. Weber erinnerte daran, dass das Leben mit behinderten Geschwistern für Betroffene auch belastend sein könne. Bisweilen müssten sie die Bedürfnisse ihrer behinderten Geschwister über die eigenen stellen oder ihr Umfeld, beispielsweise die Eltern, tue das. Seit 2007 unterstützen die Offenen Hilfen deshalb Geschwister behinderter Menschen mit einer Geschwisteranlaufstelle und speziellen Angeboten. Geschwistern bietet sich hier Raum, um sich Rat zu holen, ihre Gedanken und Fragen auszusprechen und sich untereinander auszutauschen. Geleitet wird die Geschwisteranlaufstelle seit August von Annika Dietz. Wer mehr über die Gekis Schweinfurt erfahren oder der Gruppe beitreten möchte, findet sie auf Instagram unter @gekis_schweinfurt.