Eine Bereicherung für Helfer und Betroffene
Das Telefon klingelt im Sekretariat der Offenen Hilfen. In der Leitung ist ein Anrufer, der erklärt: „Ich habe Ihre Anzeige gelesen, dass Sie freiwillige Mitarbeiter suchen.“ Die Gesprächspartnerin von den Offenen Hilfen freut sich über den Anruf. Freiwillige und ehrenamtliche Mitarbeiter, die in ihrer Freizeit Menschen mit Behinderung begleiten und unterstützen, sind das wichtigste Standbein des zur Lebenshilfe Schweinfurt gehörenden Dienstes. Schnell ist am Telefon geklärt, ob und wie der Anrufer in die Helferkartei aufgenommen wird und welche Unterlagen benötigt werden. Dazu gehört auch ein Bewerbungsbogen mit Fragen nach den Hobbies des Anrufers, welche Altersgruppen er betreuen möchte oder wann seine gewünschten Einsatzzeiten sind. Die Berücksichtigung der im Bewerbungsprozess abgefragten Wünsche, erklärt die Leiterin der Offenen Hilfen, Rita Weber, sei das Erfolgsrezept für die Freiwilligentätigkeit. „Wir sorgen dafür, dass möglichst die zusammenfinden, die zueinander passen. Vor Kurzem meldete sich ein Freiwilliger mit Diabetes-Erkrankung, der eine Person mit ähnlichem Krankheitsbild begleiten wollte. Tatsächlich konnten wir hier vermitteln.“
Seit 25 Jahren, seit 1999 leisten die Offenen Hilfen der Lebenshilfe Schweinfurt mit ihrem Familienentlastenden Dienst (FED) für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige wertvolle Unterstützung. Sie reicht von der Vermittlung individueller Freizeitbegleiter für Menschen mit Behinderung im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter bis hin zur niedrigschwelligen Pflege- und Betreuungsunterstützung, die Familienangehörige dringend als Entlastung benötigen. Das Team der Offenen Hilfen steht den Freiwilligen, die in der Regel eine Aufwandsentschädigung erhalten, stets mit fachlichem Rat zur Seite. Es bietet Schulungen an und organisiert regelmäßig offene Treffen beziehungsweise Gemeinschaftsaktivitäten für Freiwillige.
Einige Freiwillige des FEDs sehen ihr Engagement nicht nur als ehrenamtlichen Einsatz, sondern als Herzensangelegenheit mit tiefen Bindungen zu den Betreuten und deren Familien, wie Weber schildert: „Seit zwei Jahrzehnten widmet sich zum Beispiel eine unserer freiwilligen Mitarbeiterinnen einer Frau mit Autismus. Anfangs trieb sie vor allem der Wunsch an, Gutes zu tun. Jetzt schätzt sie die kostbare Zeit, die sie mit der Frau verbringen kann, die ihr ans Herz gewachsen ist.“
Von der Unterstützung profitieren die Helfer und die Betroffenen gleichermaßen. Den Menschen mit Behinderung wird Lebensqualität in Form von Freizeitgestaltung ermöglicht und pflegenden Angehörigen Entlastung geboten. Im Gegenzug bekommen die Freiwilligen die Möglichkeit, soziale Kompetenzen und wertvolle Lebenserfahrung zu sammeln. Anna Ledermann, eine Unterstützerin des FED, richtet das Augenmerk auf einen weiteren Aspekt der Freiwilligentätigkeit: „Die gemeinsame Zeit bereitet mir eine riesige Freude, ganz besonders, wenn ich dem Menschen, den ich begleite, bei unseren Unternehmungen ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann.“
Derzeit bereiten die Offenen Hilfen in Kooperation mit der Servicestelle Ehrenamt des Landkreises Schweinfurt eine Fotoausstellung zum Thema „Wir machen, was uns Spaß macht! Freizeitbegleitung von Menschen mit Behinderung“ vor. Die Ausstellung zeigt genau diese gemeinsamen Glücksmomente von Freizeitbegleitern und Menschen mit Behinderung. Vom 16. April bis 31. Mai ist die Ausstellung im Foyer des Landratsamtes Schweinfurt in der Schrammstr. 1 zu sehen.